Es gibt Augenblicke in meiner Arbeit mit Rhythmus, in denen ich schon beim Betreten eines Raumes spüre: Heute wird etwas Besonderes entstehen. So war es bei den Teachertagen von Percussion Creativ e.V. in der Bayerische Musikakademie Hammelburg.
An diesem Wochenende kamen Schlagzeuger und Percussionistinnen aus dem gesamten DACH-Raum zusammen, um sich auszutauschen, voneinander zu lernen und natürlich gemeinsam Musik zu machen.
Zu Beginn der Teachertage gab es einen Drum Circle mit allen 125 Teilnehmern und Teilnehmerinnen.
Als ich im Saal ankam, waren bereits 125 Stühle vorbereitet. Eine beeindruckende Zahl. Gemeinsam haben wir dann umgebaut und aus dieser Bestuhlung vier große konzentrische Kreise entstehen lassen. Auf allen Stühlen lagen Trommeln und kleine Percussioninstrumente bereit. Von oben betrachtet ergab sich ein faszinierendes Bild: vier Kreise voller Rhythmus, die darauf warteten, zum Leben erweckt zu werden.
Und dann ging es los.
Die Gruppe legte sofort los. 125 Menschen mit Rhythmus im Blut, aufmerksam, wach und voller Spielfreude. Patterns wanderten durch die Kreise, Call and Response entstand ganz selbstverständlich und der Raum begann zu pulsieren. Es ist schon etwas ganz Besonderes gemeinsam für professionellen Musikerinnen und Perkussionisten ein rhythmusbasierendes Event zu facilitieren!
Besonders kraftvoll wurde es, als sich der Groove verdichtete und immer wieder auch im 6/8-Rhythmus rollte. Dieser Puls breitete sich im Raum aus und wurde von Kreis zu Kreis stärker. Man konnte spüren, wie sich die Energie zwischen den Spielerinnen und Spielern aufbaute.
Wenn so viele Schlagzeuger gleichzeitig spielen, entsteht eine besondere Qualität. Der Rhythmus wird körperlich spürbar. Der Raum vibriert, und gleichzeitig wächst ein starkes Gefühl von Verbindung.
Genau das fasziniert mich immer wieder an Drum Circles. Ob ich mit Familien arbeite, mit Kindern, mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen oder mit einer Gruppe professioneller Schlagzeuger und Percussionistinnen. Das Grundprinzip bleibt immer gleich.
Zuhören, aufeinander reagieren und gemeinsam etwas entstehen lassen.
Neben dem großen Drum Circle konnte ich bei den Teachertagen auch noch einen Workshop mit einer kleineren Gruppe anbieten. Rund fünfzehn Interessierte wollten tiefer in die Methoden der Creative Rhythm Facilitation eintauchen. Wir haben gemeinsam ausprobiert, reflektiert und darüber gesprochen, wie rhythmusbasierte Gruppenprozesse gestaltet werden können. Diese intensive Arbeit im kleineren Kreis war eine wunderbare Ergänzung zum großen gemeinsamen Trommeln.
Mindestens genauso inspirierend war das, was danach passierte.
Am Abend saßen viele von uns noch lange im Felsenkeller der Akademie zusammen, bei einem Glas Wein oder einem Bier. Es wurde gefachsimpelt und gelacht. Gespräche über rhythmusbasierte Eventformate entstanden ganz selbstverständlich. Einige interessierten sich für die Fortbildung zum Creative Rhythm Facilitator. Kontakte wurden geknüpft, und erste Ideen für Kooperationen zwischen Lust auf Trommeln und Musikschulen tauchten auf. Besönders schön ist, dass ein Impuls bereits zu einer Einladung geführt haben. Im Oktober 2026 komme ich zur Musikschule nach Pfaffenwinkel und gebe dort für die Musikschullehrkräfte eine 2-tägige Fortbildung zur Creative Rhythm Facilitation. Zum Abschluss dieser Fortbildung wird auch ein großer Drum Circle organisiert.
Genau diese Begegnungen machen diese Community für mich so besonders. Die Offenheit, die Neugier und die Freude daran, Rhythmus immer wieder neu zu entdecken.
Mein großer Dank gilt Stefan Maas, Ellen Meyer, Michael Zöller und dem gesamten Team von Percussion Creativ e.V. für die Organisation dieser inspirierenden Tage. Auch an all die Supporter, die über 125 Trommeln und Perkussion-Instrumente von meinem Auto zum Veranstaltungssaal "geschleppt" haben und auch wieder zurück. Ihr ward klasse!
Für mich war dieser Drum Circle ein ganz besonderer Höhepunkt.
125 Schlagzeuger in vier konzentrischen Kreisen, ein gemeinsamer Puls und so viele lachende Gesichter.
Ein Raum voller Groove, der in meinem Herzen weiterlebt. Ihr habt gerockt! Vielen Dank.
Ricarda Raabe im März 2026











